Psychoanalyse und Film: Manchester by the Sea

Filmveranstaltung am 08. Dezember 2025 um 20.00 Uhr im Kinocenter Gießen (zertifizierte Fortbildung, 4 Punkte)

Dipl. Psychologin Barbara Rosengärtner

moderiert

Manchester by the Sea

USA 2016

138 Min.   FSK ab 12 J

Regie und Drehbuch: Kenneth Lonergan 

Darsteller: Casey Affleck, Michelle Williams, Lucas Hedges u.v.a. 

Der Film Manchester by the Sea erzählt uns die dramatische, tief bewegende Geschichte des Protagonisten Lee Chandler, der in Boston ein Leben als Hausmeister fristet. Lee ist unzugänglich, seine fundamentale Gleichgültigkeit erschreckt uns. Mit welch tiefen Abgründen er zu kämpfen hat, sein ihn verstörendes Trauma, wird uns erst im Laufe des ruhig, dennoch spannend erzählten Films verständlich gemacht.

Die Schatten der Vergangenheit können sich nicht verziehen. Der einst lebenslustige Lee ist ein Anderer geworden, einer ohne Ambitionen, ohne Anteilnahme. Seine gelegentlichen Gewaltausbrüche erscheinen uns unmotiviert und unverständlich. 

Ein erneutes dramatisches Ereignis holt ihn unvermittelt aus seiner Agonie. Er muß zurück in seine Heimatstadt Manchester by the Sea. In Rückblenden erfahren wir, was passiert ist und warum er in ein selbst gewähltes „Exil“ fliehen mußte.

Der Film ist weder erbaulich, noch suhlt er sich im Schmerz. Die Brillanz des Films liegt in der Tiefgründigkeit der Figuren. Er zeigt uns die engen Familienbande, die tiefe Liebe und Verbundenheit, das Changieren zwischen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung auf der einen Seite, auf der anderen Lebendigkeit, Humor und der hoffnungsvolle Blick nach vorn. Der Film kommt ohne jede Effekthascherei aus. 

Die Musik unterstreicht das Drama auf subtile Weise.

Die schönen Bilder stammen aus der amerikanischen Kleinstadt Manchester. Einer Stadt am Meer mit Menschen aus dem Fischer- und Arbeitermileu, denen es schwer fällt über ihre Gefühle zu sprechen. 

Wie Weitermachen nach einem existentiellen Verlust?

Ein Kritiker schreibt: „ehrlicher, tragischer - und schöner geht es kaum“.

Der Film bekam Oscars für das beste Drehbuch und den besten Hauptdarsteller, unzählige internationale Filmpreise folgten.