"Inside Emil Behring": Karriere, Krisen und Krankheit des ersten Nobelpreisträgers für Medizin

Öffentlicher Vortrag von Dr. phil. Ulrike Enke (Wettenberg / Marburg) am 24.04.2026 um 20.15 Uhr im Institut

Wissenschaftlerbiographien stellen oftmals die Glanzleistungen des oder der Biographierten in den Fokus. Auch bei Emil von Behring, dem Mitbegründer der modernen Immunologie und als „Retter der Kinder“ gerühmten Entdecker des Diphtherieheilserums, wäre ein solcher Zugang denkbar. Die Behring-Biographin Ulrike Enke geht in ihrem Vortrag einen anderen Weg: Sie zeigt den aus kleinen Verhältnissen stammenden späteren Nobelpreisträger als durch Intelligenz und Selbstvertrauen zu Höchstleistungen befähigten Menschen, der aber auch Phasen quälender Selbstzweifel durchlebte. So verbrachte Behring wegen einer schweren Depression und Suizidalität drei Jahre in dem Münchener Sanatorium, in dem auch Freuds „Wolfsmann“ behandelt wurde. Ließe sich diese narzisstische Krise vielleicht als ein Hinweis auf Behrings Lebensthemen verstehen: ständige Höchstleistung, weltweite Sichtbarkeit, materieller Erfolg auch als Kampf gegen äußeren und inneren Mangel?